Ressourcen – gleichwertig statt gleich
Ressourcen für Katzen sind weit mehr als Futternapf und Katzenklo. Sie entscheiden mit darüber, wie sicher und wohl sich deine Katze in ihrem Zuhause fühlt.
Warum Ressourcen für Katzen so wichtig sind
Wie wohl sich deine Katze in ihrem Zuhause fühlt, hängt direkt mit ihrer körperlichen Gesundheit, ihrem emotionalen Wohlbefinden und ihrem Verhalten zusammen. So halten es die Leitlinien der beiden großen Katzenmedizin-Fachverbände AAFP und ISFM fest. Und sie sind deutlich: Die Bedürfnisse deiner Katze an ihre Umgebung zu erfüllen, ist kein Extra. Es ist notwendig.
Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, zeigen Katzen häufiger Verhalten, das uns Probleme macht. Und sie stehen unter Stress, oft ohne dass wir es auf den ersten Blick sehen. Fachleute bringen stressbedingtes übermäßiges Putzen und Erkrankungen der unteren Harnwege mit einer Umgebung in Verbindung, die nicht zu den Bedürfnissen der Katze passt.
Genau hier kommen Ressourcen ins Spiel. Futter, Wasser, Klo, Ruheplätze: Wo sie stehen, wie viele es gibt und wie gut sie zu deiner Katze passen, entscheidet mit darüber, ob sie sich sicher fühlt.
Im Mehrkatzenhaushalt zählt dabei nicht nur, ob Ressourcen da sind. Es zählt auch, ob deine Katze sie als erreichbar erlebt, ohne in Gefahr zu geraten. Deshalb sind Ressourcen bei Unsauberkeit und bei Konflikten zwischen Katzen immer einen genauen Blick wert.
Quellen: AAFP/ISFM Feline Environmental Needs Guidelines, Zusammenfassung von VCA Animal Hospitals, dvm360-Interview mit Dr. Chris Pachel
Was sind Ressourcen aus Katzensicht?
Ressourcen sind alles, was deine Katze braucht, um sich sicher zu fühlen und ihr natürliches Verhalten zu zeigen. Die AAFP/ISFM-Leitlinien nennen diese:
| Ressource | Was deine Katze braucht |
|---|---|
| Sicherer Rückzugsort | Ein Platz, an den sie sich zurückziehen kann, oft gern erhöht: Kartons, Höhlen, Liegeflächen, auch die Transportbox. Im Mehrkatzenhaushalt mit mehreren Ausgängen, damit keine Katze in die Enge getrieben wird. Mindestens so viele Rückzugsorte wie Katzen |
| Futterplätze | Getrennt von anderen Ressourcen, nicht neben dem Klo |
| Wasserstellen | An mehreren Orten |
| Toiletten | An mehreren Orten, getrennt von Futter und Wasser |
| Kratzmöglichkeiten | Kratzstämme und Flächen, an denen sie kratzen und ihren Geruch verteilen kann |
| Ruhe- und Schlafplätze | Plätze, an denen sie ungestört entspannen kann |
| Spiel und Jagd | Spielzeug, Spiel mit dir, Futterspielzeug, bei dem sie sich ihr Futter erarbeitet |
| Kontakt zu dir | Lieber häufig und sanft als selten und intensiv. Deine Katze entscheidet, wann sie Kontakt möchte |
| Vertraute Gerüche | Stellen zum Reiben und Kratzen, wenig fremde und starke Gerüche wie scharfe Reiniger |
Drei Grundsätze ziehen sich durch:
- Jede Ressource an ihrem eigenen Ort, getrennt von den anderen.
- Mindestens zwei Optionen pro Ressource, zum Beispiel zwei Futterplätze und zwei Ruheplätze.
- Im Mehrkatzenhaushalt hat jede Katze Zugang zu ihren eigenen Ressourcen.
Quelle: VCA Animal Hospitals zu den AAFP/ISFM-Leitlinien
Gleich ist nicht gleich toll
Mehrere Ressourcen pro Katze, an getrennten Orten. Klingt nach einer Rechenaufgabe. Vier Katzen, also acht Bettchen. Fertig?
Leider nein. Denn „gleich“ ist nicht „gleich toll“.
- Acht Bettchen irgendwo hingestellt → rechnerisch erledigt
- Ruheplätze an den Lieblingsorten deiner Katzen gestaltet → echte Ressourcen
Deine Katze entscheidet, ob ein Platz für sie eine Ressource ist. Nicht die Anzahl im Raum. Ein Bettchen, das sie nie nutzt, zählt für sie nicht.
Schau also genau hin:
- Wo liegt jede deiner Katzen am liebsten?
- Mag sie es erhöht, mit Überblick? Viele Katzen fühlen sich dort besonders sicher.
- Oder zieht sie sich lieber in eine Höhle oder einen Karton zurück?
- Kann sie den Platz verlassen, ohne an einer anderen Katze vorbeizumüssen?
Und dann gestalte schöne Ruheplätze. Genau an diesen Orten. Für genau diese Katze.
Einmalige Session · 45 Min.Der TatzenratDu hast eine konkrete Frage zu Ausstattung, Training oder Fütterung deiner Katze? Im Tatzenrat bekommst du fundierten Rat statt Facebook-Chaos.
Mehr zum Tatzenrat erfahrenGleichwertig statt gleich: Beispiele aus dem Katzenalltag
Die eine Katze liebt Katzenminze. Die andere hat null Interesse daran, findet dafür aber Matatabi toll. Dann ist die GLEICHWERTIGE Ressource: 1x Katzenminze und 1x Matatabi.
Und das ist kein Einzelfall. In einer Studie mit 100 Katzen reagierte etwa jede dritte Katze nicht auf Katzenminze. Auf Matatabi (Silver Vine) reagierten fast 80 Prozent. Und von den Katzen, die Katzenminze kaltließ, reagierten rund drei Viertel auf Matatabi. Auch Baldrian und Tatarische Heckenkirsche lösten bei etwa der Hälfte der Katzen eine Reaktion aus.
Weitere Beispiele für gleichwertige Ressourcen:
| Ressource | Katze A | Katze B | Gleichwertig heißt |
|---|---|---|---|
| Duftspielzeug | liebt Katzenminze | reagiert nur auf Matatabi | 1x Katzenminze, 1x Matatabi |
| Kratzmöglichkeit | kratzt im Stehen, senkrecht | kratzt am Boden, waagerecht | ein hoher Kratzstamm und eine Kratzmatte oder -pappe am Boden |
| Kratzmaterial | liebt Sisal | liebt Wellpappe | beide Materialien, jeweils dort, wo die Katze gern kratzt |
| Ruheplatz | liegt gern erhöht mit Überblick | zieht sich in Höhlen zurück | eine erhöhte Liegefläche und eine Höhle, jeweils am Lieblingsort |
| Senior und junge Katze | ältere Katze, 10 bis 14 Jahre | junge Katze | Teppich-Kratzfläche für die Seniorin, Seil oder Sisal für die Junge |
Zum Kratzen wissen wir: Viele Katzen entwickeln eine Vorliebe für senkrechte oder waagerechte Flächen und für bestimmte Materialien. In einer Befragung bevorzugten ältere Katzen zwischen 10 und 14 Jahren am häufigsten Teppich, alle anderen Altersgruppen zuerst Seil.
- Gleich → jede Katze bekommt dasselbe
- Gleichwertig → jede Katze bekommt, was für SIE eine Ressource ist
Quellen: Bol et al. 2017, BMC Veterinary Research, International Cat Care zu Katzenminze und Alternativen, International Cat Care zum Kratzen, Pet Professional Guild zur Kratz-Studie von Zhang und McGlone

